S.A.T.-Deutschlandtreffen in Puchheim

10. bis 12. November 2017

Geschichten, 4K und die Entdeckung der Entfernentaste

Die Motivationen, ein Festival oder ein AV-Treffen zu besuchen, mögen unterschiedlich sein. Die einen wollen tolle Shows sehen. Andere möchten in Workshops fachlich dazulernen und wieder andere kommen regelmäßig, um Freunde und Gleichgesinnte zu treffen. Das Schöne am S.A.T.-Jahrestreffen 2017 in Puchheim bei München war, dass alle auf ihre Kosten gekommen sind.

Mit über 50 Besuchern aus Nah und fern war das Treffen restlos ausgebucht. Die niederländische Fraktion um Jan Roeleveld war ebenso zahlreich vertreten wie Besucher von Lübeck im Norden bis Österreich im Süden. Für alle Frühanreiser hatte Christian Horn gleich ein Schmankerl parat: Der Besuch des neuen Erinnerungsortes an das Olympia-Attentat 1972 auf dem Münchner Olympiagelände. In über drei Jahren Vorbereitungszeit war er maßgeblich an der Realisierung der AV-Schau beteiligt. Die Präsentation sollte im Wesentlichen aus vorhandenem Bild- und Videomaterial bestehen und den Hergang sowie die Hintergründe des Attentats dokumentarisch darstellen. Christian schilderte ausführlich den Entstehungsprozess der Multimedia-Schau.

Währenddessen trudelten die übrigen Gäste im Hotel ein und bezogen ihr Quartier für die kommenden zwei Tage. Zum Auftakt gab es den ersten Showblock mit etwa 10 Produktionen zu sehen. Das Orga-Team hatte in den Wochen zuvor die Qual der Wahl, aus einer Vielzahl von eingereichten Werken diejenigen 20 auszusuchen, die man den Besuchern vorführen wollte. Den Auftakt machte eine künstlerische Arbeit von Elke Nicklaus-Runtemund mit dem Titel "Musikanten des Lichts". Elke nahm ein Hörspiel gleichen Titels als Vorbild und zauberte ein Feuerwerk aus Phantasie und Farbe auf die Leinwand, das die Zuschauer in Atem hielt.

Weiter ging es mit einer Mischung aus Naturaufnahmen aus aller Welt: USA, Namibia, Vietnam, Hongkong, der Insel Texel und Skandinavien. Alles in erster Linie keine typischen Reiseschauen, sondern Produktionen, die mehr vermitteln als einen (teils kritischen) Einblick in ein Land und seine Menschen.

Aufgeladen und inspiriert mit vielen neuen Ideen ging man nach dem anschließenden Essen zum gemütlichen Teil des Abends über. Viele Besucher kannten sich bereits von früheren Treffen, so dass es an Gesprächsstoff nicht mangelte. Bis spät in die Nacht hinein wurde gefachsimpelt, Tipps und Tricks ausgetauscht oder einfach nur geratscht.

Der Samstag bot zusätzlich zum zweiten Showblock die Möglichkeit, an einer Vielzahl von Seminaren teilzunehmen. Frederik de Vries aus Bochum referierte über das spannende Thema 4K und führte den Besuchern anschaulich vor Augen, dass es einer Menge Rechenpower bedarf, um die enorme Datenmenge von 4K-Videos bearbeiten und abspielen zu können. Die neue Version von Wings Platinum 6 hilft den Produzenten in dieser Hinsicht enorm, denn die Videoengine wurde komplett überarbeitet und den technischen Möglichkeiten moderner Prozessoren und Verarbeitungskanäle angepasst. Darüber hinaus haben die Entwickler ein seit Jahren gefordertes Feature nun endlich eingebaut: Mit der "Entf"-Taste können nun auch in Wings Platinum Objekte, wie der Name schon nahelegt, "entfernt" werden!

In zwei weiteren Wings-Seminaren konnten sowohl Einsteiger als auch Fortgeschrittene ihr Wissen erweitern. Für die meisten Teilnehmer war diese Mischung aus Grundlagenwissen und Experten-Know-how geradezu perfekt. So zumindest der Tenor der meisten Feedbackbögen, die die Veranstalter erbeten hatten. "Wie erstelle ich eine perfekte Landkarte", wie beeinflussen Musik, Geräusche und überhaupt der gesamte Soundtrack eine AV-Produktion oder wie erstelle ich ein perfektes Color Grading á la Hollywood für meine Videos waren weitere spannende Themen von Fachvorträgen kompetenter Referenten. Herbert Becke aus München vermittelte den Zuhörern "Eine andere Sichtweise" auf die Motive und traf damit voll ins Schwarze. Wer seinen Inspirationen folgt, wird künftig mehr als nur Postkartenmotive "knipsen".

Abgerundet wurde dieser Tag durch den zweiten Showblock, der eine Auswahl an eher kritischen Produktionen präsentierte. Chiara Welz hatte sich als Auszubildende in der Mediengestaltung Gedanken darüber gemacht, wie der exzessive Gebrauch der "sozialen" Medien unsere zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflusst. In ihrer Schau "smart" zeigte sie dies am Beispiel einer Geburtstagsfeier von Oma. Mit "Microsectus" konfrontierten uns Bernhard van Riel und Jochen Schmid mit sensationellen Makroaufnahmen von Insekten und der Frage, was den "Wert" eines Lebewesens ausmache. Sie setzen ihre Bilder provokativ in Beziehung zu durch Insektizide vernichtete Lebewesen. Frank Pauls begeisterte das Publikum mit "The Border Abbeys", einer Schau rund um die schottischen Grenzlandabteien.

Auch der Sonntag bot mit vier Fachvorträgen viel praktisches Wissen. Rechtsanwalt Dr. Christian Kuntze aus München referierte kompetent und dennoch unterhaltsam über Probleme rund ums Urheberrecht in der Fotografie und Dieter Hartmann widmete sich dem wichtigen Thema "Eine Geschichte erzählen". Neuigkeiten über Lightroom und Tipps zur Datensicherung rundeten den Vormittag ab.

Das durchweg positive Feedback des Wochenendes übertraf die Erwartungen der Organisatoren, die sich darüber natürlich ganz besonders freuen. Umso motivierter wird ein neues Team im kommenden Jahr ans Werk gehen, um in Hof vom 9. bis 11. November 2018 das nächste Treffen auf die Beine zu stellen. Weit mehr als zwei Drittel der Besucher sagten, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit beim nächsten Treffen wieder dabei sind.

Jeder, der mehr aus seiner AV-Show machen und darüber hinaus nette und motivierte Produzenten treffen möchte, kann sich diesen Termin schon einmal im Kalender notieren.

von Klaus Linscheid

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Stumpfhaus
 
S.A.T.-Jahrestreffen 2017 - Begrüßung
 
S.A.T.-Jahrestreffen 2017 - am memorial olympia attentat 1972
 
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